„Mission Failed“ oder wie „Andi Verliert“ zu Ende geht

Hallo zusammen

Vor gut einem Jahr, durfte ich mit diesen wunderbaren Leuten einen Traum leben, den ich nie gewagt habe zu träumen. Durch mein stetiges Training, seit dem Projekt #andiverliert“, einem imposanten Bewerbungsvideo (hier unter: https://goo.gl/Kopqwx) und der Qualifikation für die Traumelf, durfte ich nach ein paar Wochen Training endlich gegen den #fcsg spielen. Seit ich angefangen hatte Fussball zu spielen hegte ich diesen Traum, einmal im Leben gegen eine Profimannschaft auflaufen zu dürfen. Mit meinem Übergewicht und meiner nur 2-jährigen Karriere in einem Verein war dieser Traum jedoch so weit in die Ferne gerückt, dass ich ihn schon aufgegeben hatte. Die Emotionen, die ich in meiner Einwechslung in der 30. Minute hatte, waren so real wie bei meiner Auswechslung in der 60. Minute. Mein Traum ging in Erfüllung und meine Gefühle, ich konnte sie nicht beschreiben.

Man kann sagen, dass sich das Training ausgezahlt hatte. Mein stetiger Drang neue Höhen und den Gipfel eines gesunden/schlanken Lebens zu erreichen waren intakt… Ich war auf nem guten Weg nach oben, doch als sich dann dieser Traum Wirklichkeit wurde, so war es, als ob ich einen Lift zum Gipfel bekommen hätte. Ich schwebte auf Wolke 7 und dachte „DAS IST ES, WEITER GEHT ES NICHT MEHR…“.
Meine Prioritäten verschoben sich. Mein Engagement im Treppenhaus in Rorschach waren auf einmal viel wichtiger, als alles andere neben meinem Job und der Familie, so dass ich mein Training vernachlässigte und schlussendlich über 40 Veranstaltungen in den letzten 12 Monaten organisierte. Ich war einfach froh, wenn ich auch mal nur zu Hause sein konnte. Mein Essensmuster glich wieder dem wie im ersten Halbjahr 2014.

Scheitern ist ein Umweg, keine Sackgasse

Das Projekt Andi Verliert war anfänglich von  Juni 2014 – Juni 2016 angesetzt. Das Ziel von 85kg wurde verfehlt und ich gab mir nochmals einen Aufschub eines weiteren Jahres. Nun, nach über 3 Jahren, kann man sagen, dass das Projekt „Andi Verliert“ beendet und als gescheitert abgeschlossen werden kann. Gescheitert ist es an dem, dass es von Anfang an wohl nie durchsetzbar war mit einem 100% Arbeitsverhältnis mit 42.5h Arbeit, einem zeitintensiven Hobby wie dem Treppenhaus Rorschach (wo es manchmal schon ein wenig chaotisch zu und her geht, aber so ist nunmal in der Kultur schätze ich 🙂 ) und ich mich dazu auch noch um ein Alternativ-Liga Team kümmerte.
Wie im Zitat von Zig Ziglar, ist das Scheitern jedoch nur ein Umweg und keine Sackgasse. Nach dem tollen Moment mit der Traumelf, einer Familienaufstellung und dem grandiosen Gespräch mit Robin Rehmann im Januar dieses Jahres (hier kannst du es nochmals ansehen), fiel ich in eine Art Leere, da sich vieles in meinem Leben veränderte. So war ich zuerst in einer Sackgasse und ich wusste nicht, was ich als nächstes tun sollte. Welchen Stein soll ich zuerst bewegen um mich aus meiner Sackgasse wieder zu befreien. Ich befasste mich zum ersten Mal seit einer ganz langen Zeit wieder mit mir selber und ich lernte mich von einer anderen Seite kennen. Ich musste lernen, dass Sport, gesundes Essen und jede Menge kulturelles Engagement nicht das sind, was mich glücklich macht. Mein Terminkalender war voll und ist es bis Mitte November immer noch, doch ich fange an zu begreifen, dass es auch mal schön ist, nicht verplant zu sein. Meine Arbeit habe ich von 100% auf 80% reduziert, denn was bringt mir Geld, wenn ich keine Zeit habe, mich selbst zu verwirklichen? Was soll ich mit Geld im Alter anfangen, wenn ich allenfalls nicht mehr richtig gehen kann oder stetig unter Tabletten stehe, damit ich keine Schmerzen habe? Ich lebe ja jetzt und nicht erst, wenn ich mich zur Ruhe setze und alt bin.
Frieden ist eine Reise von tausenden von Meilen und er muss Stück für Stück beschritten werden
Das Zitat von Lyndon Baines Johnson (ehm. Präsident der USA) ist eines, welches es in meinen Augen nicht nur für Kriege auf der Welt passt. Wir selbst erfahren Tag für Tag einen eigenen Krieg. Seine Waffen sind für die einten ein schlechtes Gewissen, für die anderen eine Hose die bei H&M nicht passt und wieder andere hassen die Kekse, die man vor ein paar Tagen verdrückt hat und regen sich auf, dass das Hemd doch enger ist wie sonst.
Ich selbst habe die letzten Jahre immer sehr viel für Menschen getan. Ob man nun umziehen musste, oder ob es einen DJ brauchte oder ob man ner Band aushilft, deren Mukke man toll findet und verzweifelt eine Show sucht. Andi war stets für alle andern da, doch für eine Person war da kein Platz, nämlich Andi selbst. Ich habe angefangen, mich mit mir selbst zu beschäftigen und nehme mich eher als super Typen war, als einen übergewichtigen Menschen, dem es schwer fällt, selbst zu kochen. Ich mag auch meine blauen Augen durch die ich tagtäglich etwas sehen darf. Auf meine Fussballer- und Fahrrad-Waden und Oberschenkel bin ich ebenfalls stolz. Sie tragen mein Gewicht tagtäglich und halten die grosse Last. Meinen Bauch mag ich bspw. nicht so sehr in der Optik, doch er warnt mich dafür, wenn ich unter Stress stehe und ich genau weiss, wann es Zeit ist nach Hause zu gehen und ich langsam einen Gang tiefer schalten kann.
Zu diesen Erkenntnissen gelangte ich nicht von heute auf morgen. Es ist ein langer Prozess, bis ich mich selbst lieben und akzeptieren kann, wie ich bin, was ich tue und wie ich lebe.
Die edelste Art Erkenntnis zu gewinnen ist die durch Nachdenken und Überlegung. Die einfachste Art ist die durch Nachahmung und die bitterste Art ist die durch Erfahrung
Dieses Zitat von Buddha ist eines, welches ich hautnah erlebt hatte. Durch Nachahmung von Vorbildern auf sozialen Kanälen, welche viele Erfolge feierten, war dann die bittere Erfahrung, dass mich Sport und ehrenamtliches Engagement nicht weiterbringen wird. Mein soziales Leben litt darunter sehr, dass ich dieses Projekt startete. Ich hinterfragte jeden Bissen meines Essverhaltens. Ich lag nur noch zu Hause auf der Couch, statt mal mit ein paar Leuten einen Match des FC St. Gallen zu besuchen, oder für ein Bier rauszugehen. Ich verpflichtete mich nebst meiner regulären Arbeit noch mehr Arbeit zu leisten, damit sich ein paar Leute unterhalten fühlten an den Shows, die ich veranstaltete. Für mich war dieser Weg immer der richtige, dass ich hart trainiere um etwas zu erreichen und ich merkte einfach nicht, dass ich meinen Körper allenfalls zu hart rannehme.
Durch den Besuch bei Jürg Hösli vor gut einem Jahr, erkannte ich, dass ich meinen Körper überstrapaziert hatte. Ich hätte noch Power gehabt, ein paar Minuten wohl länger auf der Ergometrie Maschine zu sitzen, doch war ich psychisch nicht fit, da ich mich nicht auf meine Atmung konzentrieren konnte. Mein Körper war ausgelaugt und einfach nicht fit, obwohl ich dachte, dass ich schon auf einem guten Level bin. Die Wahrheit, dass 85kg ohne Verlust von Muskelmasse praktisch nicht möglich wären, revidierte für mich endgültig die Glaubwürdigkeit eines BMI’s.
Die Grenzen der Erkenntnis liegen nicht außen, sondern innen
Dass mein Körper nicht mehr mitmachte überraschte mich anfänglich sehr. Daher entschied ich damals auch, dass ich mich nur für die Trainings der Traumelf fit halten würde um ihm eine Pause zu geben. So konnte ich meinem Körper die physische Pause geben, die er brauchte. Die Erkenntnis, dass ich jedoch auch psychisch abstriche machen musste, wurde mir erst in den letzten Wochen klar. Seit Ende Juni veranstalte ich bspw. keine Konzerte mehr und ich fühle mich um Welten besser. Ich lerne von Tag zu Tag mich wieder selbst in mich zu verlieben und bin dankbar, für meinen Körper und meinen Verstand. Die Aussenhülle kann ich verändern, doch kann ich meine Grenzen nur selbst abschotten und mir selbst aufzeigen. Ich bin froh, dass ich angefangen habe zu meditieren und freue mich ebenfalls auf die im November startende Teacher-Ausbildung in St. Gallen bei Shivarocks, von welcher ich mir sehr viel Erfahrung über mich selbst erhoffe.
Darum sagen wir:“Auf Wiedersehn, Die Zeit mit euch war wunderschön, Es ist wohl besser, Jetzt zu gehn, Wir können keine Tränen sehn, Schönen Gruß und auf Wiedersehn
Als Fan der Punkrock Musik, musste dieses Zitat einfach am Schluss zu dem Projekt „Andi Verliert“ stehen. Es waren für mich sehr spannende 3 Jahre. Sie waren so lehrreich wie ich sie mir niemals erträumen hätte können. Ich habe soviel über Ernährung gelesen und trotzdem nichts verstanden, denn Fakt ist immer noch „weniger Kalorien zu sich nehmen als verbrauchen“, doch ist jeder Körper für sich ein Unikat und reagiert anders. Es gibt nicht den einen Weg um an Gewicht zu verlieren, es gibt so viele, die man sich kaum vorstellen kann. Jedoch, ist es nur das Gewicht, das einen nicht glücklich macht? Ist es nicht evtl. doch etwas, was man im Unterbewusstsein mit sich trägt? Ist alles allein von deinem Aussehen abhängig, dass Du bspw. keine Beziehung führst oder ist es doch eher, dass Du dich mental dazu noch nicht bereit fühlst? Verurteile Dich nicht wegen deinem Äusseren oder was Du sein möchtest, sondern fang zuerst bei Dir selbst an, Dich zu fragen, ob Du innerlich glücklich bist. Ich bin mir sicher, dass von Aussen kommt dann automatisch, wenn das Innere für dich stimmt.
Und zu guter Letzt bitte ich Dich, streich das Wort „Verlieren“ aus deinem Wortschatz. Dies werde ich auch tun, denn ich werde kein Gewicht mehr verlieren. Wenn, dann werde ich abnehmen, damit es mir leichter fällt zu leben. Das Wort „Verlieren“ ist voller negativer Grundsätze, dass man schlussendlich nur versucht, das verlorene wieder zu finden und wenn ich Gewicht verlieren sollte, so möchte ich dies nicht nochmals wiederfinden, wie ich es getan habe.
Ich möchte mich von Herzen nochmals bei all den Lieben Menschen bedanken, die mich in den letzten Jahren unterstützt haben und mir mein Leben von einer anderen Seite gezeigt haben. Die Seite „Andi Verliert“, ebenfalls die auf Facebook und Instagram, werden nicht gelöscht werden, da sie mir doch auch viel Freude bereitet hat. Das Projekt „Andi Verliert“ ist jedoch für mich, beendet.
Danke für alles!
Euer Andi
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